Bild Einladung

Fritz Ruprechter befasst sich seit einigen Jahren mit einem gestalterischen Verfahren, dessen Möglichkeiten, Grenzen und Überschreitungen er auf der handwerklich technischen Ebene systematisch auslotet und dessen vielfältige Bildwirkungen er Gefühl und Gespür überlässt sowie dem bewusst eingesetzten Zufall. In seiner bedächtigen Art verändert er in ausholenden Arbeitsschritten jeweils einen einzelnen Parameter und untersucht die neuen Wirkungen an mehreren, oft zahlreichen Werken.

Das Verfahren besteht darin, dass er lange Streifen flächiger Ausgangsmaterialien wie Papier oder Karton – in früheren Arbeiten waren das auch Schleifpapiere unterschiedlicher Körnung und Farbe oder Dachpappe – mit waagrechten oder „schrägen Markierungen unterschiedlicher Häufigkeit und Dichte versieht, sie der Länge nach in schmalere Streifen schneidet und in zufälliger Abfolge wieder aneinanderfügt. Dies ergibt durch die vertikale Anordnung eine kolonnenartige Strukturierung des Gesamtbildes analog der eines zeilenartigen Aufbaus bei horizontaler Anordnung. Die addierten Streifen erscheinen als Träger unbekannter Codes, die optisch mit jenen auf den benachbarten Streifen interagieren, sodass sich Überlagerungen und Interferenzen ergeben. Da niemand, auch er selber nicht, diese Codes kennen kann, weil sie dem Zufallsprinzip entspringen, ergibt sich für den Betrachter eine bildhafte Gesamtwirkung, wie dies bei Kalligrafien fremder Kulturen oder beispielsweise der Knotenschrift der Inkas der Fall sein kann.
Ruprechters flächige Bilder wirken randlos ausschnitthaft. „... Die nicht zu übersehende räumliche Wirkung dieser Arbeiten, besonders der grossen Formate, ist beabsichtigt.“ ...Oft „stimmt“ der Künstler Proportion und Format seiner Werke auf vorhandene Fensteröffnungen oder Nischen des Ausstellungsraumes ab. Dennoch wirken diese Bilder weniger analog zu einem Ausblicksfenster, sondern eher wie ein leuchtender Schirm, der in der Zone davor, quasi durch Abstrahlung, eine räumliche Verdichtung erzeugt. In einer zweiten Lesart entsteht jedoch in einer Art virtueller Transparenz die Ahnung eines spirituellen Raumes jenseits des vorhangartigen Schleiers der Bildoberfläche.

Ein gedankliches Eindringen in den Inhalt der vielschichtigen Oberfläche führt in eine unbekannte Zeit: Vergangenheit? – Zukunft? – permanente Gegenwart? Der eigenartig halbtransparente Schleier der Bild-oberfläche verhüllt gleichsam eine reflexive Schicht vor einem vermuteten Raum in der Tiefe... Anlässlich solch eingehender Anschauung vermittelt und überträgt sich zugleich das prinzipielle Verfahren, jenes absichtslose Nachdenken im Tun beim praktischen Ausüben der Bildherstellung. «... Seine Bilder verlocken daher zum Innehalten, zu Entspannung, Erholung und Ausgleich ... der Betrachter wird angehalten, sich tiefer einzulassen und sich der nachhaltigen Wirkung auszusetzen. ... Das Kunstwerk wird in seiner Verdichtung zu einem Kraftspeicher, der beim Betrachten Energie abgibt und sich zugleich auflädt.»
(Auszüge aus dem Text «Nachdenken im Tun» von Walter Zschokke im Katalog «Fritz Ruprechter», 1999)

 

Fritz Ruprechter
Vernissage

Donnerstag, 22. Januar 2004, 19 Uhr

einleitende Worte von Rainer Fuchs.

AusstellungsdauerFreitag, 23. Januar bis Samstag, 6. März 2004
Lesung

Dienstag, 10. Februar 2004, 19 Uhr

es liest Friedrich Achleitner

AdresseA-1070 Wien, Lerchenfelderstraße 31   --> Lageplan
ÖffnungszeitenDienstag - Freitag: 14 - 18.30 Uhr
Samstag: 11 - 14 Uhr

oder nach telefonischer Vereinbarung